Daniel Sibbe: „Mein Vorbild Sondermann…“ (6)

Daniel Sibbe, Sondermann-Stipendiat 2017, hat sein Ziel fast erreicht. Nur welches? Zuvor plagen ihn allerdings noch einige Zipperlein an Leib und Seele (Kopf, Kopf und Kopf).

MEIN VORBILD SONDERMANN… und was daraus wurde (Folge 6)

Erste letzte Züge

Um nach einer schmerzhaften, aber äußerlich nicht sichtbaren Zahnwurzelbehandlung das den Schmerzen angemessene Mitleid zu erzeugen, sollte man zusätzlich zum betäubten, herabhängenden Mundwinkel auf dem Nachhauseweg noch einen Arm schlaff nach unten baumeln lassen und ein Bein nachziehen. Bedauernde Blicke und Worte („… noch so jung!“) garantiert!

D1353 M1TT31LUNG Z31GT D1R, ZU W3LCH3N GRO554RT1G3N L315TUNG3N UN53R G3H1RN F43H1G 15T! 4M 4NF4NG W4R 35 51CH3R NOCH 5CHW3R, D45 ZU L353N, 483R 91TTL3W31L3 K4335T 77 145 50 8D364C65833 5C7738 441F1 03T5T37, 8123 44 5455 4TT4L 9455 35 1134 97LK 565F8932 785 H729 H58D 815 06651 0965 01758 54555440440541 N4844 77CH4RT 29501 896029 /%**§$«(!‘## 1D10T!

Ich, Mitte dreißig und nach wie vor Single, ertappe mich in letzter Zeit immer häufiger dabei, mit Wehmut auf die langjährigen Beziehungen in meinem Bekanntenkreis zu blicken. Bisweilen fehlt es mir doch sehr an dieser innigen partnerlichen Verbundenheit, die sich zum Beispiel in der liebenswürdigen Schrulle äußert, einander die Sätze gegenseitig zu ergänzen. Auch meinen Freunden ist diese Melancholie nicht verborgen geblieben. Ihre Sorge, ich hätte aufgrund meines Alleinseins mittlerweile depressive Züge und eine schwerwiegende Persönlichkeitsstörung entwickelt, die therapeutischer Hilfe bedarf, teile ich allerdings nicht. Das kann nämlich schließlich keiner besser beurteilen als …

Du, Schatz!

(Fortsetzung folgt)

Daniel Sibbe: „Mein Vorbild Sondermann…“ (5)

Daniel Sibbe, Sondermann-Stipendiat 2017, mit einer exklusiven Werkschau.

MEIN VORBILD SONDERMANN… und was daraus wurde (Folge 5)

Von Berufs- und Irrwegen

Um meine Karriere zum gefeierten Literaten voranzutreiben, habe ich mich zu einem radialen… pardon… radikalen Weg entschlossen. Denn wieschon… wiesch… wie schon die Werke von Hemingway, Bukowski und Fallala… hoppla, hihihi… Fallada zeigen: Die besten Geschichten schreibt immer noch die Leber selbst.

Unter Dichtern: „Darf ich Ihnen das lyrische Du anbieten?“

Alternative Romanenden:

!
]
?


)
\m/(-.-)\m/

Als freischaffender Autor kann man sich seine Arbeit oft nicht aussuchen. Momentan bestreite ich meinen Lebensunterhalt mit der Realisierung obszön-ekliger Klappentexte für pornografische E-Books wie „Endstation Eros-Center“ oder „Bumsfidel im Bahnhofsklo“. Das ist zwar nicht befriedigend, aber immerhin sind mit solchen Sauereien 15 Euro die Stunde schnell zusammengeschrubbelt. Ganz ohne Schreiben.

(Fortsetzung folgt)

Sondermann stipendiert

Jedes Jahr ermöglicht der Sondermann e.V. einem Talent aus dem Bereich der zeitgenössischen Komischen Kunst einen dreimonatigen Arbeitsaufenthalt in Frankfurt.

Nun ist es amtlich: Die Sondermann-Stipendiatin des Jahres 2018 ist niemand geringeres als die fabelhafte Paula Irmschler. Seit Februar unterstützt sie der Verein bei ihrem Praktikum bei TITANIC (u.a. bekannt aus „Bild“).

Paula Irmschler wurde 1989 in Dresden geboren, studierte in Chemnitz Politikwissenschaft und zog 2015 nach Köln. Seither arbeitet sie nachts in einem Club als Garderobiere und schreibt tagsüber für Intro, Musikexpress, laut.de, Neues Deutschland, Titanic und Facebook.

Stammtisch-Nachlese vom 14.02.18

Der Sondermannverein e.V. freut sich über den regen Besuch des ersten Stammtischs in diesem Jahr. Etwa 20 illustre Gäste, u.a. Bernd Eilert, Pit Knorr, Andreas Platthaus, Hans Zippert, Achim Frenz und Bernd Gieseking (nicht in alphabetischer Reihenfolge) fanden sich teilweise pünktlich um 20.00 Uhr in der Gaststätte „Zur Stalburg“ ein und blieben dort (mitunter altersbedingt) bis ca. 23.30 Uhr sitzen. Augen- und Ohrenzeugen berichten von einer heiteren bis gar lustigen Atmosphäre. Zur Überraschung des Besitzers konnten alle Künstler ihre gewaltige Zeche zahlen, was nur einen Schluss zulässt: Nie ging es dem Frankfurter Kulturbetrieb besser – Sondermann e.V. sei Dank!

Daniel Sibbe: „Mein Vorbild Sondermann…“ (4)

Der 2017er Sondermann-Stipendiat Daniel Sibbe wird Vater.

MEIN VORBILD SONDERMANN… und was daraus wurde (Folge 4)

Familie und Freunde (II)

Was hat man über Hochzeiten nicht alles schon für Sachen gehört. Da erbricht sich der Bräutigam, noch meterbreit vom Vorabend, mitten in der Trauung vor des Pfarrers Füße, die sich plötzlich hintergangen fühlende Ex schreit den Standesbeamten zusammen, oder die Schwiegermutter schneewalzert ihre zwei Zentner volle Breitseite ins Büffet. Nicht so leider bei der Hochzeit meines besten Freundes. Brautpaar, Aufgebot und Gäste erschienen aufgeräumt und pünktlich in Standesamt und Kirche, niemand hatte versehentlich die Trauringe zu Hause liegenlassen, und die anschließende Feier im Gemeindehaus endete Schlag zwei mit Udo Jürgens’ „Ich war noch niemals in New York“. Ich will es meinem Freund nicht so direkt sagen, aber meiner Meinung nach ist diese Ehe jetzt schon zum Scheitern verurteilt.

Wie sehr man sich doch auf den Volksmund verlassen kann, erfuhr ich erst unlängst wieder am sprichwörtlich eigenen Leib. Als frischgebackener Vater überkam mich nach einer langen, harten Nacht ohne Schlaf das plötzliche Bedürfnis, meine Zerschlagenheit durch körperliche Arbeit abzuschütteln. Flugs hatte ich Stehleiter, Kabeltrommel und Elektroschere parat, um die auf über drei Meter hochgewucherte Hecke unseres Gartens auf Gardemaß zurechtzustutzen. Verantwortungsbewusst positionierte ich den Kinderwagen mit meinem mich neugierig betrachtenden Filius in ausreichendem Sicherheitsabstand zur Leiter. Kaum hatte ich die oberste Sprosse erklommen, das anfängliche Schwindelgefühl abgeschüttelt und den ersten schwungvollen Schnitt getätigt, passierte das Malheur. Mein Fuß verhedderte sich unglücklich in einer Schlaufe des Verlängerungskabels. Die, um mein Kind nicht in Gefahr zu bringen, noch arbeitende Heckenschere fest im Griff, versuchte ich mit Ruderbewegungen beider Arme vergeblich das Gleichgewicht zu halten und kippte in hohem Bogen kopfüber von der Leiter. Mein freier Fall wurde lediglich dadurch gebremst, dass sich das rotierende Scherenblatt im Verdeck des Kinderwagens verfing. Wieder auf wackeligen Beinen stehend, konnte ich meine im Schlafanzug herbeieilende, vor Sorge um ihre Liebsten hysterisch kreischende Freundin, welcher Teufel mich geritten habe, um fünf Uhr morgens ihr Baby umzubringen, nach kurzer Feststellung der körperlichen Unversehrtheit von Sohn und Vater mit noch schwerer Zunge direkt beruhigen. Denn wie heißt es doch so schön: Betrunkene und Kinder schützt der liebe Gott.

Bei seinen Streifzügen auf allen Vieren in die geheimnisvollsten Ecken und Winkel seines Elternhauses hat unser Sohn (neun Monate) jetzt den Friedhof der vergessenen Bücher entdeckt und zielsicher das für ihn bestimmte Buch aus dem Regal gezogen. Dem elterlicher Fürsorge geschuldeten ersten Schrecken, dass es sich dabei um „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ handelte, folgte schnell eine nüchterne Abwägung seiner Wahl. Vorteil: Das bereits angesparte Geld zur Finanzierung seines Studiums können wir nun selbst verprassen. Nachteil: David Bowie.

HEUTE: Sondermann-Stammtisch in der Gaststätte „Zur Stalburg“!

Sehr geehrte Freunde, Gönner, Mitglieder,

lernen Sie die sonderbarste Geheimgesellschaft der Welt besser kennen – bei einem geselligen Umtrunk ohne Redezwang! Grübeln Sie mit uns über verfehlte Stipendiats- und Preispolitik, erwägen Sie ernsthaft den Beitritt zum Verein – und zahlen Sie am Schluss bitte die Rechnung. Mit zahlreichen, teilweise stark ergrauten Veteranen aus dem TITANIC-Umfeld!

Heute, am Mittwoch, den 14. Februar 2018 ab 20:00h in der Gaststätte „ZUR STALBURG“, Glauburgstraße 80, 60318 Frankfurt a.M., Telefon 069 557934

Es freut sich auf Sie