Daniel Sibbe: „Mein Vorbild Sondermann…“ (2)

Der diesjährige Sondermann-Stipendioat Daniel Sibbe führt uns wieder in eine bessere Zeit – die Prä-Nullerjahre!

MEIN VORBILD SONDERMANN… und was daraus wurde (Folge 2)

Kindheit und Jugend (II)

Mein alter Geschichtslehrer Dr. Volk war ein echtes Unikat. Unvergessen bleibt mir der Tag, an dem sich der Historiker aufgrund einer unglücklichen Stundenplangestaltung mitsamt seinem Oberstufenkurs in einer vermeintlich viel zu beengten Räumlichkeit wiederfand, die es ihm nach eigener Ansicht unmöglich machte, seine mit allerlei Karten- und Dokumentationsmaterial generalstabsmäßig geplante Stunde zum Thema „Legitimation des deutschen Eroberungskrieges im Osten in der nationalsozialistischen Kriegsrhetorik“ abzuhalten. Mit uns im Schlepptau preschte er daraufhin ohne Rücksicht auf Verluste laut polternd auf der Suche nach einem geeigneten Klassenzimmer durch die gesamte Schule. Noch heute gelten jene 45 Unterrichtsminuten als Lehrbeispiel für die schülernahe, handlungsorientierte Darstellung vom „Volk ohne Raum“.

Wenn man als Jugendlicher spät abends nach Hause kommt, die Eltern einem noch eine gute Nacht wünschen und man daraufhin Rotz und Wasser heult, weil: man sei jetzt zwei Jahre in Indien gewesen, und alles, was man bei seiner Rückkehr zu hören bekäme, sei „gute Nacht“, lässt man fortan besser die Finger von psychedelischen Pilzen.

Eine höchst amüsante Wendung dagegen nahm vor vielen, vielen Jahren ein bis dahin an sich recht dröges Familientreffen während des traditionellen abendlichen Tabu-Spiels. Bei dem mit den Worten „Davor haben alle Frauen Angst!“ umschriebenen Ratebegriff „Cellulite“ entfuhr meiner Schwester laut „Analverkehr!“, woraufhin die Runde in schallendes Gelächter ausbrach; abgesehen von meinem Schwager, der fortan wie ertappt beschämt zu Boden blickte – der Arsch!

(Fortsetzung folgt)

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